In den Ruinen der altägyptischen Stadt Athribis haben Archäologen seit 2018 bisher mehr als 18.000 Tonscherben geborgen, die alle beschrieben waren. Diese Scherben, auch Ostraka genannt, geben Einblicke in das Alltagsleben vor circa 2.000 Jahren, darunter auch in das Schulsystem und die Bestrafung von Schülern.
Schreibübungen als Strafarbeiten
Ein besonderer Fund stammt aus einer Schule, die an den Tempel von Athribis angeschlossen war. 80 Prozent der Scherben tragen demotische, also altägyptische, Schriftzeichen. „Es gibt Listen von Monatsnamen, Zahlen, Rechenaufgaben, Grammatikübungen und ein sogenanntes Vogelalphabet – Jedem Buchstaben wurde ein Vogel zugeordnet, dessen Namen mit diesem Buchstaben begann“, so das Forschungsteam um den Tübinger Ägyptologen Christian Leitz. Eine dreistellige Anzahl von Ostraka enthält zudem Schreibübungen, die Leitz als Strafarbeiten der Schüler interpretiert. Die Scherben sind mit den immer gleichen ein oder zwei Zeichen beschrieben, was darauf hindeutet, dass die Schüler diese Schriftzeichen immer wieder schreiben mussten.
Insgesamt bieten die Ostraka einen besonderen Aufschluss über das Leben sowie die Bildung in der Antike und zeigen, wie die Schüler offenbar das Lesen und Schreiben gelernt haben.
